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HAEL YGGS

Eröffnungsrede zur ZIRKUMFERENZ 2002
 







Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde, Pi-Enthusiasten und Kreisverehrer, liebe Gäste!

„Jede Kultur kommt früher oder später auf den Kreis und damit auf das Problem der Berechnung der Kreiszahl Pi“

Dieser Gedanke von Dominique Olivastro soll am Anfang der ZIRKUMFERENZ stehen. Er erfüllt mich mit einem beruhigenden Gefühl der Freude und des Erstaunens darüber, dass unser aller Kreis weit zurückreichende Wurzeln hat. Die Menschheit kann mit dem Kreis, seiner praktischen Nützlichkeit, seiner Vollkommenheit, Begrenztheit, Unendlichkeit und Schönheit auf 6000 jährige Erfahrungen zurückgreifen!

In diesem Sinne war die ZIRKUMFERENZ schon latent angelegt, lange bevor sich im  Sommer 2001 ein schicksalhaftes Treffen zwischen Repräsentanten der Brandenburger Theater GmbH und Freunden der Zahl Pi ereignete.

Die Achse des Runden, gestützt auf enthusiastische Pi-Freunde, die schon einige Jahre eine Art Radius bilden, musste nur nachhaltig in Bewegung versetzt werden, um einen Kreis zu umreissen bzw. eine Sphäre zu schaffen, in der wir uns heute hier befinden. Dieser Bewegungsimpuls wurde uns übertragen durch die grandiosen Kapazitäten und die beflügelnden Möglichkeiten, die die Brandenburger Theater GmbH der ZIRKUMFERENZ zur Verfügung stellte.

Der KREIS ist, wenn man so will, ein Naturprodukt, das zunächst ins menschliche Auge gefasst und wahrgenommen wird. Der Mensch verleibt sich den Kreis ein mit seinen Sinnen und verdaut ihn energiegewinnend und lustorientiert. Die Kreiszahl Pi ist demnach ein Verdauungsprodukt. Diese Zahl ans Licht der Welt gehoben zu haben ist einem künstlerischen Akt vergleichbar, bei dem der menschliche Geist die Naturform KREIS transformiert und ihn als Abstraktion (Mathematik) wieder hervorbringt.

Der Kreis ist augenfällig schön, einfach, elegant, optimal, unergründlich, begrenzt und doch unendlich, ein faszinierendes Objekt der Begierde. Pi hingegen ist von eher spröder Schönheit. Ihre Schönheit, die uns zunächst über unendliche Zahlenkolonnen angetragen wird, ist wohl eine innere Qualität. (Die Freunde der Zahl Pi werden mir natürlich sofort widersprechen, für sie hat Pi mit einer Liebe auf den ersten Blick zu tun.)

Wir, die Mitglieder der Projektgruppe ZIRKUMFERENZ, haben uns das Treffen nicht als Aktion im Sinne einer provinziellen Supernova vorgestellt, die nur ein kurzes Blitzlichtgewitter verursacht. Vielmehr ist es unsere Intention, individualistische Steinchenwerfer um eine imaginäre Wasserfläche zu versammeln, an der jeder in seiner unnachahmlichen Weise seine Steinchen ins Wasser wirft, um zu sehen, wie sich die kreisförmigen Wellen zu neuen Mustern überlagern.

Randerscheinungen sollen zu diesem Muster ebenso beitragen wie fundamentale Inhalte, unverrückbare Tatsachen, beeindruckende Hypothesen und außergewöhnliche Blickpunkte. Es wird sich, so hoffen wir, zur ZIRKUMFERENZ eine Interferenz von Kopf und Bauch, Wissenschaft und Kunst, Objektivem und Transzendentem ereignen. Der KREIS wird so zum Zentrum neuer Kreise, ein wahres E-Pi-Zentrum!

Die Balance zwischen den künstlerischen und intellektuellen Kräften soll gerade dadurch gehalten werden, dass hier etwas aus dem Lot kommt, sich etwas mit dem eigenen Tellerrand überwirft, um in neuen Räumen zu ankern.

Wir haben, so denke ich, einzigartige Kristallisationspunkte für unser und Ihr waches Interesse geschaffen, Vorträge einerseits – Theater, Film, Ausstellung, Musik andererseits. Wir hoffen, dass sich an den beiden Tagen der ZIRKUMFERENZ auch durch Ihre unmittelbare Anwesenheit alles zu einer runden Sache fügt und dass sich genügend Raum eröffnet, in dem Sie dem Phänomen KREIS in eigener Sache nachgehen können.

Und noch ein Aspekt ist bemerkenswert. Die Freunde der Zahl Pi begehen schon seit Jahren mit vielfältigen Aktionen und besonderen Veranstaltungen den Pi-Tag am 14.3. eines jeden Jahres . Ein Grossteil der Mitglieder dieses über das Internet sich organisierenden Vereins speist mit seinen Ideen und Aktivitäten die Sphäre der Informationen rund um den Globus. Dass sich Pi-Freunde zum erstem Mal persönlich gegenüberstehen, obwohl sie schon jahrelang miteinander zu tun haben, das ist, glaube ich, eine nicht zu vernachlässigende Qualität unseres Treffens.

MI MU TUS KIKLUS TÁRATE!

Diese altgriechischen Worte unseres verehrten Archimedes im Sinn, möchte ich uns wünschen, dass die Störung der eigenen Kreise durch die der anderen (im Sinne einer Überlagerung) von weniger katastrophalen Folgen begleitet sein möge, als sie es waren zu Zeiten des großen Physikers.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen ZIRKUMFERENZ-Verlauf, interessante Begegnungen und Gespräche sowie Einsichten, die sich positiv nicht nur auf Ihren Kreislauf auswirken.
 
 


 
 
 
 
 

CulturCongressCentum Brandenburg/Havel